HISTORISCHE BAUFORSCHUNG

                           BAUARCHÄOLOGIE

«Wichtig sind "Gwunder" für das was war,

Demut für das was ist und Motivation für das was kommt.»

(mehrdimens.ch)

 

Häuser sind Informationsträger der Vergangenheit. Ihnen gebührt Achtung und Wertschätzung, wie man sie älteren Menschen gegenüber bringt. Weiss man sie zu lesen, erzählen sie lehrreiche Geschichten.

 

Die historische Bauforschung sichert vor einem Abbruch oder im Zuge eines Umbaus Erkenntnisse über vergangene Lebensweisen, Wohnkulturen und Nutzungskonzepte, über die angewandte Bautechnik, die Gefügekonstruktion und Umbauten. Ein einzelnes Bauteil kann bereits ein aussagekräftiger Geschichtszeuge sein und kulturhistorische Spuren tragen, den Zeitgeist wiederspiegeln und den Wandel dokumentieren. Wichtig ist dabei auch immer, das Einzelobjekt in Zusammenhang mit dem Bauensemble, dem Siedlungskontext zu betrachten. 

 

Zweck

  • Planungs- und Arbeitsgrundlage für Architekt, Handwerker und Denkmalpflege

  • Erbringen des «Denkmalbeweises»

  • „Erhalt“ in Form von Wissensüberlieferung durch Dokumentation

 

Ziel ist die Rekonstruktion der Biografie und das Verstehen der Anatomie eines Gebäudes. 

Die Erkenntnisse der Bauforschung tragen zum Verständnis und zur richtigen Einschätzung des historischen Bestandes bei. Potentiale werden erkennbar, Aufwendungen abschätzbar. Die Resultate ermöglichen die bewusste Auseinander-setzung bei einem Neuerwerb oder die Wertschätzung des alten Familiensitzes. Bei einer frühzeitigen Untersuchung vor einer Baumassnahme kann das Wissen über die Objektgeschichte als Grundlage und Planungsmittel für dessen Erhaltung, Restaurierung und neue Nutzung dienen. Gezielte Erhaltung und bedachte Weiterentwicklung sind möglich. Alte Gestaltungselemente können wiederentdeckt und als charakterbildende Elemente bewusst in die Neugestaltung eingesetzt werden.   

 

Spannend für eine nachhaltige Siedlungsplanung unter Berücksichtigung gewachsener Dorfstrukturen wird die Analyse baulicher Ensembles wie ganzer Strassenzüge, die Rekonstruktion der Platz- und Gassenstrukturen, die Verteilung der Nutzungen und Tätigkeiten im Dorf oder das Erkennen des Hergangs von Quartierbildungen. 

 

Arbeitsweise 

Untersuchungsobjekte sind in erster Linie Wohn- und Ökonomiebauten (Stein- und Holzbau), aber auch Industriegelände, Werkstätten, Gotteshäuser, Befestigungs-anlagen, Brücken und Brunnen in Dörfern, Städten und der offenen Landschaft. Gebäude werden idealerweise baubegleitend untersucht. 

 

Die Genauigkeitsstufe der Dokumentation (Text, Bild, Befundkartierung) erfolgt nach Bedarf des Bauprojektes, nach Fragestellung und/oder nach dem Denkmalgehalt oder der für die Forschung historischen Relevanz, respektive Aussagekraft der einzelnen Befunde. Bei Bedarf kann die Dokumentation eine Rekonstruktion ermöglichen. Eine «Kurzbiografie» eignet sich als Beilage in einem Verkaufsdossier. Die Darstellungsform kann bei Bedarf den Richtlinien der kantonalen Behörde (Denkmalpflege, Archäologie) angepasst werden. 

 

Eine einfache Bestandsaufnahme beispielsweise erfolgt durch die Begehung eines Objektes und der Dokumentation des Istzustandes auf Sicht. Es entsteht ein beschreibendes Raumbuch (Text und Bild), nach Wunsch mit expliziter Schadenskartierung.  

 

Eine umfassende Befundinterpretation andererseits ermöglicht das Herleiten von Bauetappen und Umbauphasen. Abgrabungen im Fundamentbereich und Unterkellerungen werden dokumentiert. Die Objektbiografie kann mit Akten aus Archiven und historischen Abbildungen ergänzt werden. Falls vorhanden, werden archäologische Funde systematisch erfasst und bestimmt.