Urqualitäten und Wesenheit des Ortes
Die Ortsurqualitäten, bestehend aus «Genius Loci» und «Anima Loci» ergeben durch die Überprägungen durch die Zeit die Raumqualitäten, sprich die heutige Wesenheit des Ortes. Gerade die urtümlichen Eigenschaften sollten unbedingt das Planungsfundament sein, sind sie doch wesentlich für das Funktionieren eines Ortes.
Unterschied Urqualitäten und Wesenheit des Ortes
Jenseits von Architektur und Gestaltung wird die Qualität eines Ortes/eines Raumes massgeblich durch seine feinstoffliche Matrix bestimmt. Diese Wesenheit des Ortes zeigt sich heute fast ausschliesslich durch «Onlays», über die Entwicklungsgeschichte des Orts hinweg «gelegte» Überprägungen.
Die Wesenheit steht in direktem Zusammenhang mit der Raumauthentizität (Raumbeliebtheit und Raumrespekt; Erkennen; Ortsidentifikationsmöglichkeit; strukturrelevant-physisch und feinstofflich-systemisch), der wieder damit verbundenen Nutzungsfrequentierung und weiteren Erfolgsfaktoren eines Ortes. Bedauerlicherweise arbeiten die Planer und Gestalter fast ausschliesslich nur mit dem aktuellen Charakter des Ortes, wie er sich uns also gerade zeigt.
Die Wesenheit eines Ortes besteht aus einer komplexen Vielschichtigkeit, deren systemische Wechselwirkungen es zwecks bestandsachtender, kontextgerechter und nachhaltiger Weiterentwicklung zu verstehen gilt. Vergessen geht dabei all zu oft komplett die Urqualität des Ortes, was für das Funktionieren von Raum verheerende Folgen hat. Gerade auf dieses energetische Grundgerüst, die DNA, sollte jede physische Intervention aufbauen.
Die Zusammensetzung der Wesenheit eines Ortes mit seinen Grundqualitäten und Überprägungen.
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Welche Bedürfnisse hat das Wesen des Ortes?
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Was kann der Ort leisten, als Nutzung zur Verfügung stellen?
Die Wesenheit der Urlandschaft lässt sich heute unter anderem an den Boviswerten erkennen (radiästhetische Messung, System nach Blanche Merz). Eine gesunde Landschaft muss um die 8000 BE messen. Liegt der Wert darunter, ist in der Entwicklungsgeschichte etwas schiefgelaufen, und der Ort wird nicht nach seinem Angebotscharakter/seinen Leistungsmöglichkeiten bespielt und genutzt. Das System läuft nicht mehr harmonisch.
Onlays
Onlays sind Überprägungen der Urqualität eines Ortes. Über die Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende bilden sie eine Stratigrafie, also eine Schichtung von Systemzusammenhängen, teils harmonisch ineinander überfliessend, teils mit Zäsuren durchsetzt. Sie funktionieren im Sinne der Fraktalkonzeption und finden sich entsprechend im Gross- wie im Kleinräumlichen.
Ist ein Ort gestört, ist folgende Frage zu stellen:
Wo fanden in der bisherigen Entwicklung historisch gesehen in Bezug auf die Gestaltung und dem Wachsen des Ortes, des Quartiers, der Sieldung Zäsuren statt, sprich markante Veränderungen des Vorzustandes? Es sind dies (leider) meist negative Störungen in der harmonischen Schichtung, der «Stratigrafie». Höchst wahrscheinlich finden sich dort die Ursachen für Kipppunkte in der Gesundheit/Funktionstauglichkeit des entsprechenden Raumes. Die Ortsdeklaration (Erwartungen an Ort) sind nicht mehr mit der Ortsidentifikation (Leistungsmöglichkeit des Ortes) vereinbar.
Die Wirkungskette für die Landschafts- und Stadtplanung
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Raumauthentizität & Identifikation: Wenn die landschaftsarchitektonische Gestaltung die innere Identität des Ortes (Genius Loci und Anima Loci) respektiert und freilegt, entsteht eine tiefe Resonanz beim Menschen. Der Nutzer nimmt den Aussenraum als «stimmig» wahr, was die Aufenthaltsdauer und die soziale Bindung an den Ort (Raumbeliebtheit) massiv erhöht.
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Respekt & Resilienz: Ein Raum, dessen Urqualität spürbar ist, strahlt eine natürliche Autorität aus. Dies führt zu einem instinktiv respektvolleren Umgang durch die Nutzer, wodurch Vandalismus sinkt und der Pflegeaufwand reduziert wird. Solche «gesunden» Orte tragen sich energetisch selbst und benötigen keine künstliche Eventisierung oder dauerhafte Bespielung.
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Ganzheitliche Szenierung: Die Planung berücksichtigt nicht nur die physische Ästhetik, sondern gestaltet gezielt die Atmosphäre und die subjektive Resonanzebene. Durch die Einbeziehung der feinstofflichen Ebene wird die Landschaftsentwicklung zu einem Prozess der Heilung und Potenzialentfaltung, der den Aussenraum in Einklang mit seinen natürlichen und kosmischen Gesetzmässigkeiten bringt.
Fazit
Für die Gestaltung von Lebensräumen (aussen wie innen) bedeutet dies: Erfolgreiche Planung ist die Kunst, die Urqualität eines Ortes lesbar zu machen. Wer diese feinstofflichen Faktoren als reale Planungsgrössen und Gesetzmässigkeiten begreift, schafft keine austauschbaren Flächen, sondern kraftvolle Orte mit hoher funktionaler und seelischer Dauerhaftigkeit.
Auszug aus meiner Zertifikatsarbeit CAS Stadtraum Landschaft ZHAW (Typoskript)
Organismus Landschaftspark Wiese
Strukturanalyse der Westhälfte des Grossraums mit Einbezug der Eingangssituationen
zur Veranschaulichung der Systemzusammenhänge
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen
Institut Urban Landscape
Studiengang CAS Stadtraum Landschaft 2025
© Anita Veronica Springer


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